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Die Portale von St. Paul

Dein Wort ist die Wahrheit. (Portal im Westen - Winklerstraße)
Friede sei mit euch! (Portal im Osten - Simonstraße)
Ehre sei Gott in der Höhe! (Hauptportal - Amalienstraße)

Drei Botschaften haben die Erbauer unserer Kirche vor über 110 Jahren in die steinernen Bögen über den drei Kirchenportalen gemeißelt.

Vielleicht gibt es irgendwo im Archiv einen Hinweis, warum gerade diese Worte gewählt wurden. Jedenfalls sind sie eine mutige Entscheidung gewesen, denn viele Kirchen haben zwar eine reich verzierte Fassade, aber keine Wortbotschaften, wie unsere Kirche. Durch die Inschriften in den Kirchenportalen werden Zeichen gesetzt, nicht nur symbolisch, sondern wortwörtlich durch die in Stein gemeißelten und auf Dauer angelegten Worte.

Dein Wort ist die Wahrheit. (Johannes 17,17)

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In einem Gebet spricht Jesus diese Worte kurz vor seiner Gefangennahme als Resümee seines Lebens zu seinen Jüngern. Das 17. Kapitel des Johannesevangeliums endet mit den Worten: „Vater, du bist gerecht. Die Welt hat dich nicht erkannt; aber ich kenne dich, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist, und werde es weiter tun. So wird die Liebe, die du zu mir hast, auch sie erfüllen und ich werde in ihnen leben.“

Damals, bei dem Bau der Kirche, waren die Menschen wohl von dem Wunsch getragen, diese Botschaft nach außen zu zeigen. Es war um 1900, als die Kirche gebaut wurde, sicher unruhige Zeiten in der Südstadt. Der Wirtschaftsaufschwung war auf seinem Höhepunkt, die Fürther Südstadt war im Zuge der Industrialisierung sehr gewachsen. In dieser Zeit, in der immer mehr materielle Einflüsse die Menschen bewegten, erinnern die Worte am Portal unserer Kirche an die Wahrheit und Wirklichkeit der frohen Botschaft der Bibel.

Heute, wo wir viele Informationen aus der ganzen Welt über Fernsehen und Internet erhalten, wo die Informationsflut uns in der täglichen Arbeit fast erdrückt, sollen uns diese Worte wieder an unseren Ursprung erinnern. In einer Zeit, in der viele ihre eigene Wahrheit, ihre Wirklichkeit für alternativlos halten, ist die Botschaft am Kirchenportal umso aktueller.

„Alles, was mir gehört, gehört auch dir, und dein Eigentum ist auch mein Eigentum.“ Auch dieser Vers stammt aus dem 17. Kapitel bei Johannes und beschreibt mit ganz einfachen Worten die Wahrheit, die Jesus uns klarmachen will. Alles was wir uns geschaffen haben, gehört nicht uns allein, sondern Gott hat daran seinen Anteil, genauso wie Gott uns an seiner Herrlichkeit teilhaben lässt. An dieses Geschenk, an diese Botschaft erinnert auch noch in hundert Jahren diese Inschrift an unserem Kirchenportal.

Aber wir haben auch erfahren, wie diese Wahrheit, an die uns der Spruch an der Kirche ermahnt, für jeden eine andere Facette hat. Allein die vielen kirchlichen Gruppen zeigen, dass es eine einzige, allgemein gültige Auslegung von Worten der Bibel nicht gibt. In dieser Vielfalt Gemeinsamkeiten zu finden und zu leben, das sollte unser Antrieb sein. Eine Formulierung, die das ausdrückt, findet sich in der Satzung der ACK, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Dort heißt es: „Sie (die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften) bekennen den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland und trachten darum, gemeinsam zu erfüllen, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Friede sei mit euch!

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Zum „Frieden“ gibt es viele Fundstellen in der Bibel. Mit „Frieden“ ist dabei zunächst nicht der Frieden im politischen Sinne, sondern der Frieden mit Gott (Röm 5,1) und den anderen Menschen gemeint. So schreibt z.B. Paulus im Brief an die Römer: „Wenn möglich, soweit es von euch abhängt, haltet Frieden mit allen Menschen“ (Röm 12, 18). Auch im Gottesdienst spielt der Friedensgruß eine wichtige Rolle. Wenn Frieden herrscht, fühlen wir uns sicher und geborgen. Frieden ist ein Geschenk Gottes, um das wir täglich beten.

Vermutlich haben die Erbauer der Paulskirche den Wunsch nach Frieden auch im politischen Sinne verstanden, als sie sich für den Spruch am Portal entschieden haben. Die Zeit um 1900 war bestimmt vom Imperialismus der Großmächte, zu denen auch Deutschland gehören wollte. Die Welt sollte zwischen den Großmächten aufgeteilt werden. In den Kolonien gab es großen Widerstand und schlimme Gräueltaten. Der Friede war nicht stabil, denn der Rüstungswettlauf zwischen den Großmächten konnte, wie wir wissen, kein gutes Ende haben. Die Bitte um den Frieden stellten uns die Erbauer der Kirche durch die Inschrift dauerhaft vor Augen.

Auch wenn die Botschaft am Kirchenportal von Vielen im Vorbeigehen vielleicht übersehen wird, ist sie doch immer aktuell. Gerade heute, wo der Unfrieden viele Namen hat, wie z.B. Mobbing, Burn-out, Zoff in der Familie oder unter Freunden.

Ehre sei Gott in der Höhe!

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Dieser Spruch schmückt das Hauptportal. Wir kennen den Vers aus dem Lukasevangelium (Lukas 2,14): „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Er spielt auch in der Liturgie des Gottesdienstes eine wichtige Rolle.

Gott zu ehren, heißt glauben und bekennen, dass Gott da ist und dass er herrscht. Er ist aus Liebe zu den Menschen in Jesus Christus Mensch geworden, zur Vergebung unserer Sünden am Kreuz gestorben, zu unserem Heil auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Gott zu ehren, heißt auch seinen Worten, die er zu uns gesprochen hat, zu glauben und sie zu befolgen. Hier schließt sich wieder der Kreis zu dem Spruch an dem linken Kirchenportal: „Dein Wort ist die Wahrheit“.

Viele Menschen, die unsere Kirche betreten, sind vielleicht darauf konzentriert, die Stufen zu meistern und haben keinen Blick für die Inschrift. Dabei haben die Erbauer der Kirche mit der Auswahl eine gute Entscheidung getroffen. Sie nennt klar, welche zentrale Botschaft von der Kirche mit dem hohen und mächtigen Turm ausgehen soll: Die Verehrung, die Achtung Gottes und seines Wirkens. Daneben drückt das Wort über dem Hauptportal auch den Dank der Menschen aus, die damals nach vielen Mühen endlich die Vollendung des Kirchenbaus geschafft hatten.

Gebet

Herr, gib uns die Kraft, deine Worte zu leben, an die uns die Erbauer unserer Kirche mit ihren Inschriften täglich erinnern.

Im Grundstein für das Gemeindehaus haben wir eine neue Inschrift hinzugefügt: „Christus der Grund“. Sie soll uns immer daran erinnern, dass unsere Welt nicht durch uns Menschen allein geschaffen wurde, sondern Dein Wirken allgegenwärtig ist.

Welche Zukunft vor uns liegen wird, wissen wir nicht, aber mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer können wir mutig vorangehen:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Amen

Peter Plonka: Andacht im Kirchenvorstand am 8. Oktober 2012

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St. Paulskirche

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Gemeindehaus

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Eingang zum Pfarramt